2. Das Gewissen

2.1 Wie nehmen wir unser Gewissen wahr?

Im Alltag wird das Gewissen häufig als "Gewissensbiss" beschrieben, unsere Alltagssprache kennt aber auch Formulierungen wie "das gute Gewissen" oder "das ruhige Gewissen". Wie nehmen die von uns befragten Personen ihr Gewissen wahr? In allen Altersgruppen wird das Gewissen von der Mehrheit der Befragten als ein eindeutig positives Erleben oder zumindest als eine mit positiven Gefühlen vermischte Erfahrung beschrieben. Deutlich weniger Personen geben hingegen an, ihr Gewissen vorwiegend als negativ (z. B. belastend oder entmutigend) zu erleben.

Mit dem Alter steigt der Anteil der Personen, die ihr Gewissen als etwas eher Positives erleben (z. B. als bestärkend oder ermutigend), sogar auf über 50 % an. Im Gegenzug nehmen mit dem Alter die Gewissensregungen mit vermischten Gefühlen ab. Der Anteil der Befragten, die ihr Gewissen ausschließlich als etwas Negatives wahrnehmen, ist währenddessen in allen Altersgruppen mit ungefähr 20-25 % recht konstant.

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2.2 Häufigkeit der Gewissensregungen nach Altersgruppen

Während die positive Wahrnehmung des Gewissens mit dem Alter ansteigt, sinkt die Häufigkeit der Gewissensregung mit dem Alter deutlich ab. Während 57,9 % der Jugendlichen und jungen Erwachsenen "häufig" oder "ständig" ihr Gewissen verspüren, sinkt dieser Anteil bei den 75 bis 86-Jährigen auf nur 37,6 %. Ältere Menschen verspüren also ihr Gewissen seltener, dafür jedoch eher positiver als junge Erwachsene.

Häufigkeit der Gewissenswahrnehmung

Grafik: Häufigkeit der Gewissenswahrnehmung

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2.3 Für mich ist das Gewissen...

Einige der von uns befragten Personen haben zudem die Möglichkeit genutzt, mit eigenen Worten genauer zu beschreiben, wie sie ihr Gewissen vorwiegend empfinden. So finden sich unter den rund 42 % Befragten, die ihr Gewissen positiv beschreiben, neben den vorgegebenen Antworten Begriffe wie "hilfreich", "motivierend" und "beruhigend", während auf negativer Seite Beschreibungen wie "einschränkend", "nervig" und "unangenehm" auftauchen.

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Interessante Details zeigen sich außerdem im subjektiven Gefühl von Einsamkeit und dem Gewissen. Falls Sie mehr darüber erfahren möchten, finden Sie hier weitere Informationen über den Zusammenhang von Einsamkeit und Gewissen.

In Abhängigkeit vom Alter unserer Teilnehmer zeigen sich unterdessen weitere Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung des Gewissens. In 16 Einzelfragen versuchten wir, mehr über die persönliche Bedeutung des Gewissens herauszufinden.

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In der Grafik zeigen sich zunächst einige altersübergreifende Tendenzen: Zum Beispiel findet die Aussage "Mein Gewissen hilft mir bei moralischen Entscheidungen" sowohl bei älteren als auch bei jüngeren Befragten große Zustimmung. Einigkeit herrscht auch darin, dass das Gewissen heutzutage keineswegs an Aktualität verloren hat: Die Aussage "Das Gewissen ist eine altmodische Vorstellung, die nicht mehr in die heutige Zeit passt" fand kaum Zustimmung bei den Befragten. Beachtliche Altersunterschiede zeigen sich bei Aussagen wie "Mein Gewissen kann mich sehr lange beschäftigen" (höhere Zustimmung in der jüngsten Altersgruppe), oder "Das Gewissen spielt für mich ausschließlich in privaten Beziehungen eine Rolle" (höhere Zustimmung in der ältesten Altersgruppe). Einen interessanten, wenn auch nicht überraschenden Effekt zeigt zudem die Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft bei der Aussage "Das Gewissen ist die Stimme Gottes im Menschen": Nur 4,2 % der Konfessionsfreien stimmen dieser Aussage zu, bei den Religionsangehörigen sind es dagegen 36,6 %.

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